Be Right Back

Du bist verliebt. Deine Tage ziehen sich wie Kaugummi, aber du geniesst sie in vollen Zügen und du kannst dir nicht vorstellen, dass sie in irgendeiner Weise kürzer werden oder dass diese wunderbaren, in pinke Sauce getunkten Momente irgendwann an Wirkung und Freude verlieren. Ich meine, wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass du diese eine Person findest und SIE auch dich findet und nicht im Dschungel in Papua Neuguinea Baumstämme für sein Bett schält? Genau, sie ist relativ klein. Deinem Glück steht nichts im Weg, denn mit deinem Lieblingsmenschen überstehst du alles. Nichts hält dich auf. 

Ausser das Leben. 

Ein regnerischer Tag, dein Buch hast du schon fast durch und die dritte heisse Schokolade thront vor dir auf dem kleinen, runden Holztisch. Der Geruch von Zimt schwebt an deiner Nase vorbei, als SIE die Treppe runter stürmt und sich den Mantel überwirft. Bei der Frage ob du mitgehen willst ein Päckchen auf der Post abholen, schüttelst du angeekelt den Kopf. Bei diesem Wetter verlässt du die Wohnung doch nicht. Ein schneller Kuss, ein Lächeln und SIE verlässt das Haus. 

Doch SIE kommt nicht wieder. Nicht nach 2, nicht nach 3 Stunden, auch nicht zum Abendessen. Du bist in Sorgen, telefonierst rum, doch niemand weiss etwas, keine Spur ist zu finden und dein Gemüt fühlt sich langsam an wie eine geschüttelte Dose Cola. Bis es an der Tür klinget und die Sirenen zu hören sind. Das Blaulicht scheint auf deine von den Tränen durchnässte Wange und du weisst was kommt. Das Leben hat sein Spiel gespielt und SIE hat verloren. 

Was nun? Ich meine, nach der angemessenen Zeit die deine Freunde und Verwandte dir als “Trauerzeit” zuschreiben. Die Trauer ist ja nicht weg. Die geht nicht weg. Die bleibt und nagt. Was tust du? Alles was du willst, ist SIE zurück zu haben, in deiner Wohnung, auf deinem Bett, in deiner Küche. 

Was, wenn ich dir sagen würde, dass das geht? 

Genau dieses Konzept, das Konzept von Tod und Auferstehung, das wir sonst nur aus der Bibel und irgendwelchen Zombiegeschichten kennen, das nimmt die Sendung Black Mirror auf und nimmt eine ganze Geschichte damit in Angriff.

Black Mirror ist eine, auf der Online Streaming Plattform Netflix, zu findende Serie, die sich mit dem Aussehen und dem Sein unserer Gesellschaft in der nahen Zukunft befasst. Sie legt den Fokus auf unterschiedliche Dinge, die aber mit unserem momentanen Zustand durchaus denkbar wären. Häufig einbezogen sind Phänomene wie die Sozialen Medien, die weltliche Kommunikation die uns eben diese Medien erlauben und was für ein Potential Videogames in unserer Gesellschaft haben. Auch überschreitet die Serie nicht ungern gesellschaftliche Tabus wie die Frage nach dem Leben nach dem Tod, oder Folterung. 

Die Geschichte beginnt so, wie das vorher beschriebene Kopfkino. Martha und Ash sind Mitte Zwanzig und ziehen, noch so verliebt wie am ersten Tag, in das leerstehende Haus von Ashs Eltern. Die Freude ist gross und von der ersten Sekunde der Episode merkt man, dass die beiden wie für einander gemacht waren.

Dann geschieht das Unvermeidbare, Ash stirbt bei einem Autounfall und Martha bleibt alleine. Die Trauer ist gross, das leere Haus macht alles noch unverträglicher und als sie zu allem dazu noch erfährt dass sie schwanger ist, scheint es aussichtslos.

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Als eine Freundin ihr zu einer neuen, futuristischen Methode rät wie sie ihren geliebten Ash zurück in ihr Leben holen kann, ist Martha anfänglich wenig begeistert, wenn nicht völlig verschlossen der Idee gegenüber.

Doch mit der Zeit wird die Trauer unerträglich, sie beschliesst, auf diese futuristische Methode zurückzugreifen.

Durch ein Programm, dass all deine Tweets, Posts, Aktivitäten und dein Verhalten im Internet speichert, gelingt es dieser Institution verstorbene Menschen nach ihrem Tod zu rekreiren. Mit dieser vermeidlich “auferstanden” Person, soll man nun wie gewohnt interagieren können.

Anfangs wirkt das ganze harmlos und als hätte Martha ihren Kontakt unter Kontrolle, doch  zu den Textnachrichten kommen Telefonate hinzu und bald eine fatale Entscheidung: es gibt die kostspielige Möglichkeit, einen lebensechten Ash zu rekreieren, der aussieht, handelt und redet wie er. Wird Martha dann noch unterscheiden könen zwischen ihrem verstorbenen Freund und dieser Rekreation?

Was mich nach dieser Episodeam  meisten beschäftigt ist vorallem, wie eine Persönlichkeit aussehen würde, wenn sie nur aufgrund eines online Verhaltens rekreiert wird. Eigentlich kriegt Martha doch nur eine Fake Version ihres Partners zurück, ein Echo sozusagen, denn was ihn wirklich ausgemacht hat, ist doch wohl nicht online abrufbar? Wenn wir so weit sind, dass ein derart grosser Teil unserer Persönlichkeit öffentlich zugänglich ist, dann möchte ich nicht in so einer Kultur leben. Entweder hat also Martha eine falsche Version ihres geliebten Ashs gekriegt, oder aber Ash war so komplett offen, dass er im Internet genau gleich war wie in der Realität.

So oder so, wie wären wir wohl, wenn alles was uns ausmacht bloss unsere online Persönlichkeit ist? Oder ist das schon so?

Black Mirror Folge – Be Right Back 

Für alle die neugierig sind – hier der Link zur Sendung.

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